die Cloud geklaut
Diese Woche waren es gleich drei getroffene Hunde, die in meinem Bekanntenkreis laut aufheulten, weil Google erst activesync und dann caldav abklemmt. Letzteres ist ein bemerkenswerter Vorgang, da Google ersteres damit begründete, dass ActiveSync kein offener Standard sei. Das Commitment zum Offenen endete wohl dann mit der süßen Möglichkeit, die iphones ein gutes Stück unattraktiver zu machen, denn die GoogleMail-API ist weder offen noch unbegrenzt nutzbar. Mehr als 10.000 Anfragen am Tag kosten Geld, dagegen sind 75 GB im Monat relativ üppig bemessen. Ein paar mobile Geräte, ein paar externe Dienste und schwupps liegt man drüber.
Ich frage mich echt manchmal, welchen Apfel wir geklaut haben, dass alle meinen, uns aus dem Paradies vertreiben zu müssen.
Der Vorgang lehrt wieder einmal, dass jeder “Cloud”-Dienstleister die Möglichkeit hat, von heute auf morgen einseitig die Bedigungen zu ändern und einen zu großen Handlungen zu zwingen. Es gibt die schnelle Möglichkeit auf Windows Phone und entsprechend Outlook.com als Mail- und Kalenderdienstleister umzusteigen. Zumindest bei den bezahlten Angeboten zeigt Microsoft eine Treue zu den eigenen Standards. Andererseits glaubten das auch die Anhänger des Startbuttons. Und wie verzweifelt die Reaktionen der großen Konzerne sind, wenn etwas anderes schnell wächst, kann man bei Google+ und ebay ansehen, die sich beide zu Pinterest-Clones umbauen und dabei User-Tumulte in Kauf nehmen.
Die andere Möglichkeit ist, den “Fortschritt” anzuhalten und seine Dienste selbst zu betreiben. Wenn man “nur” Mail per Imap, Kalender per CalDav und Kontakte per LDAP will, reicht eine Linux-VM mit fetchmail, Postfix, Dovecot, calendarserver und openldap bei Kosten ab 3,- pro Monat. Ein entscheidender Vorteil ist, dass man eine solche Lösung bequem per rsync in eine baugleiche VM in einer VirtualBox oder VMWare-Player zu Hause sichern kann, was die ganze Sache leicht portabel macht. Leider sieht es bei der Synchronisation einer solchen Lösung auf unterschiedliche mobile Geräte schon wieder ganz anders aus. Da haben die OpenSource-Hippies bislang total versagt.
Ich habe es echt lange und hart mit Open-Source versucht, aber am Ende ist meine Zeit endlich und ich habe mich für “was richtiges” entschieden.
Die Kosten für eine 2003er SBS–Lizenz liegen bei einer großen Einkaufsseite, die früher ein Onlineautkionshaus war, ab 30,- € aufwärts. Vorteil des 2003ers gegenüber den jüngeren Versionen ist, dass er schon mit 2GB RAM zufrieden ist. Ich würde ihn auf jeden Fall virtualisieren, sogar wenn es sich um die einzige Maschine handelt. So kann man ihn hin und wieder auf einer USB-Platte auslagern und bequem in anderer Umgebung starten, auch wenn die Kanzlerin der Ansicht ist, dass das Herunterladen von Rechnern der Kulturnation Deutschland schadet. Als Hardware für den Hypervisor (ESXI 5) kommt zum Beispiel ein AMD-Turion oder E350-basierender Rechner in Betracht. Wenn man sich mit VMWare ESXi4.1 zufrieden gibt, kann man auch ein Intel Atom nehmen.
Der SBS2003 entspricht dem Sicherheitsstand von XP, sollte also mit Bedacht konfiguriert werden und ein weiteres Problem für den Heimanwender sind die Kosten für Spam- und Virenschutz bei Server-Betriebsystemen. Das kann man durch Vorschalten einer Spamfilter-VM (ESVA2, EMDA, efa oder was Handgezimmertes) abdecken. Der SBS sollte zusätzlich mit Ausnahme der Service-Ports am Router vom Internet getrennt werden. Wenn man dann noch Clam mit einer hohen Scanfrequenz ins Spiel bringt, sehe ich keine grundlegenden Schwächen mehr.